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Eine Klasse für sich ist der optische Sucher. Da schau ich durch und denke nicht, dass das eine APS-C-Kamera ist. Ein Sucherbild wie bei einer Vollformat-DSLR. Hammermässig. Erfüllt von all der Schönheit machen wir uns auf den Rückweg zu Lynns Haus. Lynn ist in den letzten dreissig Jahren mit vielen Fotografen und Filmteams unterwegs gewesen. Ein Freund hat ihm eine alte Nikon mit Objektiven vermacht. Die Kamera war 1971 bei einer der ersten Expeditionen auf dem Gipfel von Mount Denali. «Mein Fotohändler hat mir gesagt, dass ich diese alten Objektive nicht mit meiner neuen Autofokus-Nikon einsetzen kann», bedauert Lynn. Ohne ein Wort zu sagen, nehme ich eines der betagten Objektive, setze es an die D810 an und drücke ab. Es funktioniert, wenn auch nur mit offener Blende. Es hätte auch mit der D500 funktioniert. Leider habe ich mir nicht notiert, um welches Objektiv es sich gehandelt hat. Lightroom gibt die Brennweite mit 70 mm an, findet aber kein passendes Profil. Dies einfach eine kleine Randnotiz, die zeigt, wie hoch bei Nikon die Systemkompatibilität ist.

Schaeublin_D500_Suedostasien_04Kann man wirklich ein 40 Jahre altes Nikon Objektiv an einer neue Kamera benutzen? Lynn schaut etwas skeptisch, da ihm sein Fotohändler gesagt hat, das funktioniere nicht. Denkste. Und das betagte Objektiv liefert ein umwerfendes Bokeh. Der 36-Megapixel-Sensor der D810 bringt bei 1:1 allerdings unbarmherzig zutage, dass ich beim manuellen Fokussieren die Schärfe nicht ganz exakt auf die Augen gelegt habe. Nikon D810 mit so altem Objektiv, dass es kein Lightroom-Profil dazu gibt. 1/160 sec, f 2.8, 1400 ISOMajestät höchstpersönlich. Ein grosser Grizzly, der sich durch uns nicht stören lässt Nikon D500 mit AF-S Nikkor 1:4,5–5,6/80–400mm VR auf 230 mm, 1/1250 Sek., f 7.1, 1800 ISO, freihändig aus dem Skiff Crop auf 16:9 für die Integration in den Film

Madame geniesst den Frühling. Diese Bärendame hat sich in grösserer Entfernung ins Gras gelegt. Nikon D500 mit AF-S Nikkor 2.8/400mm FL ED VR und 2,0x Extender. Durch den kleineren Sensor ergibt sich bezogen auf das Vollformat eine Brennweite von rund 1200 mm, 1/1250 Sek., f 5.6, 320 ISO, ab Stativ Crop auf 16:9 für die Integration in den Film.Eine herausfordernde Aufnahmesituation: Aus dem wackligen Skiff eine relativ weit entfernte abtauchende Gruppe von Longtail-Ducks fotografieren. Dank schnellem Autofokus und 9.5 Bildern pro Sekunde gelangen mir zwei oder drei Aufnahmen, mit denen ich happy bin Nikon D500 mit AF-S Nikkor 1:4,5–5,6/80–400mm VR auf 400 mm, 1/6400 Sek., f 5.4, 1400 ISO, freihändig aus dem Skiff Crop auf 16:9 für die Integration in den Film

Noch eine extreme Herausforderung. Diesen Weisskopfseeadler habe ich vom schwankenden Schiff mit dem 400er mit Extender realisiert. Ich habe das Stativ aufgebaut, um mit dem schweren Objektiv hantieren zu können. Nur durch eine extrem kurze Verschlusszeit kann ich Verwacklungsunschärfen vermeiden Auch hier braucht es viele Aufnahmen, um eine Handvoll guter Bilder zu erhalten. Nikon D500 mit AF-S Nikkor 2.8/400mm FL ED VR und 2,0x Extender. 1/6400 Sek., f 5.6, 3600 ISO, ab Stativ Crop auf 16:9 für die Integration in den FilmEine Perspektive auf einen Buckelwal, wie ich sie selten sehe. Die See ist relativ ruhig, das Licht des späten Nachmittags sorgt für eine sehr schöne Modulation Nikon D500 mit AF-S Nikkor 80–400mm 1:4,5–5,6 VR auf 400 mm, 1/2000 Sek., f 8.0, 640 ISO, freihändig aus dem Schiff Crop auf 16:9 für die Integration in den Film

Nikon D500 mit AF-S-Nikkor 2.8/14–24mm G ED auf 14 mm. Lange Verschlusszeit, um das Wasser fliessend abzubilden. Lynn stand ganz ruhig da, damit er scharf abgebildet wird 1/3 Sek., f 22, 100 ISO, ab Stativ A propos Systemkompatibilität: In der D500 wird mit den gleichen Akkus wie die D750 und die D810 betrieben. Das ist für Besitzer von mehreren verschiedenen Gehäusen Balsam auf die Seele. Nur ein Ladegerät, die Akkus sind beliebig austauschbar. Danke Nikon, dass ihr nicht zu jeder Kamera neue Batterien bringt. Sicher wäre es möglich gewesen, der D500 einen neuen, effizienteren Akku zu verpassen. Die D500 ist nämlich ein ziemlicher Stromfresser, gerade beim Filmen. Doch für mich überwiegt der Vorteil der Kompatibilität bei weitem. Wer viel filmen will und noch keine passenden Akkus hat, sollte auf jeden Fall gleich eine zweite Batterie mitbestellen.

Am zweiten Tag treffen wir alle Vorbereitungen für eine kleine Expedition mit Lynns Boot, der Wilderness Swift. Wir laden Lebensmittel und Wasser und betanken die Swift. Danach verlassen wir den schützenden Hafen, um die Wildnis zu erkunden. Jetzt im Mai ist die Wahrscheinlichkeit, Bären zu sehen, hoch. Nach der Winterruhe sind sie oft am Strand anzutreffen, um wie Kühe zu grasen. Das Riedgras liefert ihnen Vitamine und Ballaststoffe, um die Verdauung wieder in Schwung zu bringen. Und wenn sich dann ein grosser Grizzly auf einen Strandspaziergang macht oder sich eine Bärendame lasziv im Gras rollt, bin ich um den Brennweiten-Verlängerungsfaktor der D500 ganz froh.

Die Berge sind alle noch schneebedeckt. Zahlreiche Gletscher kalben ins Meer und senden Eisschollen auf die Reise. Wir geniessen Whisky mit Gletschereis und saugen die wilde Landschaft in uns auf.An einem malerischen Wasserfall fotografiere und filme ich einige Szenen, teilweise in extremen Positionen. Habe ich erwähnt, dass sich der Rückschaumonitor der D500 abwinkeln lässt? Für ein eierlegendes Wollmilchschwein vielleicht eine Selbstverständlichkeit, aber ich schätze das immer wieder bei meiner Arbeit, denn nicht immer kann man durch den Sucher blicken. Die Bilder kann man dann über Bluetooth und WiFi auf andere Geräte übertragen. Diese Funktion habe ich nicht getestet, aber wer es braucht, ist darüber happy. Wenn wir schon bei diesem neumodigen Züügs sind, sei auch erwähnt, dass die D500 einen Touchscreen hat. Für mich Nice to Have, aber eben – wenn man‘s hat, freut man sich darüber.

Filmen und Fotografieren in extremen Positionen. Hier gilt es, ein kleines Blütenblatt, das sich im Wasserfall festgesaugt hat, festzuhalten. Es ist für mich eine der schönsten Szenen. Schon im Bild sieht das kleine Blatt unter dem Wasser unglaublich schön aus (s. Screenshot unten), und die Filmsequenz hat mit dem fliessenden Wasser über dem Blütenblatt eine ganz besondere Ästhetik. Dank dem schwenkbaren Monitor der D500 lassen sich solche Szenen problemlos festhalten (Foto: Mike McBeth)

Der Screenshot zum obigen Bild. Ein Standbild aus einem 4K-Film hat übrigens knapp acht Megapixel und kann durchaus mit 25 cm Breite geprintet werden.Als weiteren Pluspunkt streicht Nikon den schnellen Autofokus der D500 heraus. Nun sind Wale ja keine Geparden, und die Bären waren auch alle langsam unterwegs. Ich kann deshalb kein abschliessendes Urteil zur maximalen Fähigkeit des neuen Autofokusmoduls abgeben. Er ist auf jeden Fall deutlich schneller als derjenige der D810, und ich kann mir gut vorstellen, dass man in dieser Preisklasse keinen schnellern Autofokus findet. Ebenfalls bemerkenswert ist, dass die Zone der Autofokusfelder nun fast über das ganze Sucherfeld geht. Auch das ist eine grandiose Neuerung, auf die sicher viele Fotobegeisterte gewartet haben.

4K ist das aktuelle Zauberwort. Ich filme generell in dieser Auflösung, selbst wenn ich den finalen Film «nur» in HD ausgebe. Dies aus folgenden Gründen:Der Rückschaumonitor der Nikon D500 löst sehr gut auf, und das Beurteilen der Schärfe ist leichter als bei den Vorgängermodellen. Trotzdem ist es unverständlich, dass Nikon der D500 – und auch der D5 – kein Focuspeaking mit auf den Weg gegeben hat. Für mich ist dieses Manko der einzige Wermutstropfen an der Kamera. Natürlich filmt man mit einer DSLR nicht wie mit einer Point-and-Shoot-Kamera, aber Fokuspeaking würde das Scharfstellen, das ich beim Filmen generell manuell vornehme, wesentlich erleichtern. Könnte man diese Funktion noch über ein Firmware-Update nachbessern, wäre die D500 beinahe perfekt. Ich behelfe mir oft, indem ich kurz den Autofokus aktiviere, hinten auf den Touchscreen den Schärfepunkt anwähle (eben, ist halt doch gut, der Touchscreen) und dann wieder auf Manual Focus umstelle. Ebenfalls muss man sich bewusst sein, dass im 4K-Modus nicht der ganze Sensor benützt wird und sich daher die Brennweite nochmals um Faktor 1.5 erhöht. Mein 14mm-Objektiv wird so zum 31.5 mm (14mm x Cropfaktor für APS-C Sensor = 21 mm x Cropfaktor für 4K-Filmen = 31.5 mm). Da ich wegen meinen beiden anderen Kamerabodies – der D750 und der D810 – nur mit FX-Objektiven arbeite, habe ich hier ein Handicap. Wer ausschliesslich die D500 einsetzt, kann bei Nikon auf das 10 – 24mm oder auf ein Fremdobjektiv wie beispielsweise das Sigma 8 – 16 mm zurückgreifen und so noch etwas Weitwinkel dazugewinnen.